Ist cheaten eigentlich illegal?

Alltagsfragen Apr. 07, 2020

Niemand mag Cheater, doch ist cheaten eigentlich nur unsympathisch, oder auch illegal?

Vor ein paar Jahren sorgte das koreanische Parlament für Aufsehen, als es ein Gesetz verabschiedete, dass das Herstellen und Verbreiten von Cheatprogrammen unter Strafe stellt. Es drohen bis zu 5 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von 38.000 Euro (50 Mio. KRW).[1]

Bevor ihr anfangt, den nächsten Cheater bei der Polizeistation eures Vertrauens anzuzeigen, weil er euch in Fortnite den sicheren Sieg gestohlen hat, solltet ihr mehr wissen.

Cheaten ist nicht gleich cheaten, fangen wir daher zuerst mit den unproblematischen Formen des Cheatens an:

Cheat-Codes

Cheat Codes - Absatzbild

Rosebud in Die Sims, BIGDADDY in Age of Empires, godmode und der Konami-Code sind wohl die bekanntesten Vertreter dieser Kategorie. Es handelt sich um Codes, die vom Hersteller des Spieles selbst in das Spiel eingebaut wurden.
Diese Form des Cheatens ist selbstverständlich unproblematisch, da die Codes meist nur offline funktionieren und sich daher keine Vorteile im kompetitiven Spiel verschaffen lassen. Außerdem wurden sie von den Entwicklern selbst in ihr Spiel eingebaut, das ist natürlich ihr gutes Recht.

Tools und Overlays

Oft werden Tools und sogenannte "Overlays" verwendet um die Spielerfahrung vermeintlich zu verbessern. Beispielsweise gibt es Hilfsfunktionen um das Spiel zu streamen, ohne dabei das Spiel verlassen zu müssen, oder es können Audiodateien im Hintergrund abgespielt werden, um die Spielmusik zu ersetzen. Auch diese Formen sind unproblematisch, da sie nicht in den Quelltext des Spieles eingreifen, auch verschaffen sie Spielern keinen Vorteil im Online Gaming.

Hacks und Bots

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Computerspiele fallen mittlerweile unter den Werkbegriff des Urheberrechts (als Computerprogramm[2] und filmisches Werk[3]). Der Hersteller/Publisher des Spiels genießt also urheberrechtlichen Schutz und kann dagegen vorgehen. Das kann von Unterlassungsklagen über Geldstrafen bis zu Haftstrafen gehen.[4]
Werden Hacks und Bots angewendet, die in die Funktionsweise des Spiels eingreifen und damit meist ihren Quelltext und die Darstellung verändern, dann liegt ein urheberrechtlicher (verbotener) Eingriff vor.

In Deutschland gab es dazu schon einen interessanten Fall: Es muss nicht zu einer Veränderung der Spieldateien auf der Festplatte kommen, eine Veränderung im Arbeitsspeicher reicht schon.[5]

In Österreich ist mir noch kein vergleichbarer Fall bekannt, ich würde mich über einen Hinweis darauf aber sehr freuen.

Abgesehen davon werden Hacks und Bots durch den Hersteller vertraglich verboten (zB in einem Lizenzvertrag, wenn man sie auf einer Onlineplattform wie Steam erwirbt), oder sie verstoßen gegen die Nutzungsbedingungen von Onlinespielen (Beispiel League of Legends oder Steam).

Strafrechtlich haben Cheater im Gegensatz zu Südkorea aber noch nichts zu befürchten.

Fälle

Faelle - Absatzbild

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Blizzard gegen Bossland
Bossland ist ein Unternehmen aus Deutschland, das Cheats und Farming-Bots entwickelt und auf ihrer Website verkauft. Der Spielehersteller Blizzard (World of Warcraft, Overwatch, StarCraft) klagte gegen Bossland in Kalifornien auf Schadenersatz wegen Urheberrechtsverletzungen. Bossland muss nach diesem Urteil dem Spielehersteller 8,56 Mio. Dollar (!) Schadenersatz leisten.[6]

Das Landesgericht Leipzig war allerdings der Meinung, dass die Summe viel zu hoch ist, und verhinderte die Durchsetzung der Klage in Deutschland.

Epic Games gegen Rogers

"Der Angeklagte ist ein Cheater"
"Niemand mag Cheater, niemand mag mit Cheater spielen."

sagte ein Epic Games Vertreter (Entwickler von Fortnite) zu einem 14-Jährigen Spieler.
Das erste mal in der Geschichte der Computerspiele stand das sogar in der Anklageschrift (Auszug aus dem Original):
Ausschnitt aus der originalen Anklageschrift

Der 14 Jährige verwendete einen Cheat, während er einen Livestream auf YouTube übertragen hat, zusätzlich hat er den Link zum Download des Cheats in der YouTube Videobeschreibung veröffentlicht. Die Geschichte schaffte es sogar in die österreichische Medienlandschaft.[7]

Epic Games argumentierte ebenfalls, dass der Cheat das Spiel selbst verändere und damit in das Urheberrecht des Herstellers eingegriffen wurde.

Die Mutter des 14-Jährigen schrieb in einem Brief, dass die Klage abgewiesen werden soll. Es sei verwerflich ein Kind anzuzeigen, außerdem kam kein Vertrag zwischen Epic Games und ihrem Sohn gültig zustande, da er bei Vertragsabschluss minderjährig war.
Das Gericht hat die Klage jedoch trotzdem zugelassen, ein Urteil wurde mit Spannung erwartet. Es wäre zu einem - gerade in den USA sehr wichtigen - Präzedenzfall gegen einen Cheater gekommen.

Mittlerweile haben sich Epic Games und die Familie des Beklagten jedoch auf einen Vergleich geeinigt, somit gab es kein Urteil gegen den 14-Jhrigen.


  1. South Korea Passes Bill to Directly Punish Hack Makers, pvplive.net ↩︎

  2. § 40a UrhG - RIS ↩︎

  3. OGH, Urteil vom 06.07.2004, 4 Ob 133/04v ↩︎

  4. § 91 UrhG, ris.ka.at ↩︎

  5. OLG Hamburg, Urteil vom 23.04.2012 (Az. 5 U 11/11) ↩︎

  6. United States District Court Central District Of California, Case No. 8:16-cv-01236-DOC-KES ↩︎

  7. "Fortnite": Spielentwickler bestehen auf Klage gegen 14-jährigen, derstandard.at ↩︎


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Andreas Maierhofer

Jurist / Administrator von lawyered.at

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