Vorstellungsgespräch: Was muss ich beantworten?

Alltagsfragen Mai 25, 2020

Es gibt einige Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch nicht gestellt werden dürfen.
Teilweise hat man die Möglichkeit einfach nichts dazu sagen zu müssen, teilweise hat man aber sogar das Recht zu lügen, ohne arbeitsrechtliche Probleme zu bekommen.

Wird man aus einem der folgenden Gründe nicht eingestellt, können auch Schadenersatzzahlungen von potentiellen ArbeitgeberInnen fällig werden.

Hier eine Übersicht aller Themen, die nicht beantwortet werden müssen:

❌ Weltanschauung, sexuelle Neigung
❌ Heirat, Familienstand, Kinder, Partnerschaft
❌ Schwangerschaft und Kinderwunsch
❌ Frage nach Schulden oder den persönlichen Vermögensverhältnissen
❌ Frage nach Gewerkschafts-, Partei, oder Vereinszugehörigkeit

❌ Bei Religionsbekenntnis, Gesundheit und Vorstrafen: Nur, wenn sie relevant für den Beruf sind


Das Gleichbehandlungsgesetz

Das wichtigste Gesetz ist hier das Gleichbehandlungsgesetz:

Auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters, der sexuellen Orientierung und des Geschlechtes, insbesondere unter Bezugnahme auf den Familienstand oder den Umstand, ob jemand Kinder hat, darf im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden, insbesondere nicht bei der Begründung des Arbeitsverhältnisses.

(Zusammenfassung der §§ 3 und 17 GlBG)

Lügen oder nicht Lügen

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Bild von Freepik / Freepik.com

Grundsätzlich gilt:
Alle Fragen, die diesen "privaten Bereich" betreffen, sind unzulässig und müssen nicht beantwortet werden. Werden solche Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortet, drohen ArbeitnehmerInnen in der Folge grundsätzlich keine rechtlichen Konsequenzen.

Wird schließlich ein Arbeitsverhältnis begründet, und erkennt der oder die ArbeitgeberIn später die (berechtigte) Lüge, so wäre eine daraufhin ausgesprochene Entlassung rechtswidrig und könnte wegen Diskriminierung angefochten werden.

Aber Vorsicht:
Im Einzelfall kann es durchaus ein gerechtfertigtes Interesse des oder der ArbeitgeberIn geben. Und zwar, wenn eine unmittelbare Gefahr für Leib oder Leben anderer besteht oder wenn Vermögensinteressen Dritter unmittelbar und schwerwiegend berührt werden.

Beispiele:

  • Wenn eine ärztliche Untersuchung zur Feststellung der Eignung gesetzlich vorgeschrieben ist oder sich aus der Art der Tätigkeit ergibt (zB PilotIn, Feuerwehr, Polizei).

  • Fragen nach ansteckenden Krankheiten müssen wahrheitsgemäß beantwortet werden, wenn bei der beruflichen Tätigkeit die Gefahr des Austausches von Körperflüssigkeiten besteht (zB Ärztin / Krankenpfleger) oder intensiver körperlicher Kontakt mit KundInnen oder KollegInnen, die davon wissen müssen, zu erwarten ist.

  • Getilgte Vorstrafen müssen nie erwähnt werden. Bei ungetilgten Vorstrafen kann es aber durchaus ein Interesse des oder der ArbeitgeberIn geben (TürsteherIn - Vorstrafe wegen Körperverletzung).

Sind private Fragen ausnahmsweise zulässig und daher wahrheitsgemäß zu beantworten, kann es in der Folge zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, bis hin zum Ausspruch einer gerechtfertigten Entlassung kommen.


Strafen für ArbeitgeberInnen

Ist ein Arbeitsverhältnis wegen einer Diskriminierung nicht zustande gekommen, so müssen ArbeitgeberInnen

  • StellenwerberInnen Schadenersatz im Ausmaß von mindestens zwei Monatsentgelten zahlen, sofern der oder die Stellenwerberin den Job ohne Diskriminierung erhalten hätte
    oder
  • Schadenersatz bis EUR 500,00 zahlen, wenn man wegen einer Diskriminierung bei der Auswahl nicht berücksichtigt wurde.

Dabei muss man dem Gericht zunächst glaubhaft machen (nicht beweisen, das ist also eine niedrigere Schwelle), dass eine Diskriminierung vorlag.

Die Frist beträgt 6 Monate und beginnt mit der Ablehnung.

Da Vorstellungsgespräche meist unter vier Augen geführt werden, oder sogar mit zwei oder mehr MitarbeiterInnen des Unternehmens, kann es im Verfahren allerdings schnell unmöglich werden, eine Diskriminierung glaubhaft zu machen.


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Andreas Maierhofer

Jurist / Administrator von lawyered.at

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